Seit Anfang Jahr hat das Appenzeller Kammerorchester mit Peter Grob einen neuen musikalischen Leiter. Entsprechend stehen die kommenden drei Konzertprogramme (Juni und Dezember 2025 sowie Frühling 2026) auch im Zeichen des musikalischen Kennenlernens. Jedes Programm widmet sich der musikalischen Sprache und dem Stil einer Generation. Die Konzerte im Juni konzentrieren sich auf Musik des italienischen Hochbarocks. Komponiert wurde sie sowohl von sehr bekannten als auch von eher unbekannten Komponisten.
Illustration: Werner Meier.
Die ausgewählten Werke passen zum Aufführungsort Kirche, und im Konzert sollen für das Continuo (Marie-Louise Dähler) neben dem Cembalo auch die lokalen Orgeln eingesetzt werden.
Vivaldi als berühmtester Vertreter
Entstanden sind die Werke zwischen 1690 und 1740. Der berühmteste Vertreter dieser Zeit ist Antonio Vivaldi. Von ihm wird ein Concerto für Oboe und Violine aufgeführt mit Helen Moody, Oboe, und Christine Baumann, Violine, als Solistinnen. Seine konzertante Musik ist so bekannt wie populär. Doch Vivaldi war nicht nur Geiger und Komponist, sondern auch Priester. Mit dem Concerto Madrigalesco präsentiert das Orchester die unbekanntere Seite seines Schaffens – Musik, die vermutlich für eine Passionsandacht entstanden ist.
Frisch und unkonventionell
Die Werke von Evaristo Dall’Abaco und Giovanni Bononcini wurden früher, in den 1790er Jahren, aber ebenso für kirchliche Zwecke komponiert. Typischerweise beginnen sie mit langsamen Sätzen. Die schnellen Sätze überraschen durch ihre Frische und Unkonventionalität. Beide Komponisten waren in jungen Jahren Orchestermusiker und haben diese Werke im Rahmen ihrer Anstellung in kirchlichen Ensembles geschrieben. Die jungen Komponisten träumten von der Oper. Bononcini konnte diesen Traum verwirklichen und war einige Jahre lang neben Händel der grosse Star in London.
Programm noch nicht ganz definitiv
Typisch für die konzertante italienische Musik des frühen 18. Jahrhunderts ist das Concerto Grosso. Arcangelo Corellis Werke entstanden wohl mehrheitlich noch im 17. Jahrhundert. Sie wurden 1714 in Amsterdam bei Etienne Roger gedruckt, veröffentlich und in ganz Europa verbreitet.
Mozart verwendete die Form des Concerto Grosso für seine Serenata Notturna, die er 1776 für den Karneval in Salzburg geschrieben hatte. Mit dieser heiteren Musik beschliesst das Appenzeller Kammerorchester den Sommerabend und weist zugleich auf das Dezember-Programm hin: In der zweiten Jahreshälfte widmet es sich der Sprache und den Gesten der Wiener Klassik.